Mit der Verbreitung der Elektrizität ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs auch der Bedarf an Kabelleitern enorm an. Dabei stellte es sich als schwierig heraus, geeignete Materialien für die Isolierungen zu finden. Generell wurden dafür Latex, Gummi oder auf Gummi basierende Stoffe eingesetzt, die manchmal auch mit Textilien verstärkt wurden. Diese Materialien waren in der Praxis sehr unbeliebt, da das Kupfer mit den schwefelhaltigen Bestandteilen der Gummierung regierte und so ein Entfernen der Beschichtung erheblich erschwert wurde.
Wurde der Kupferdraht jedoch vor der Isolation verzinnt, konnte diese Reaktion wirksam unterbunden werden, was ein leichtes und sauberes Entfernen der Kunststoffe ermöglichte. Hierdurch gewann die Verzinnung als bevorzugte Oberfläche für Kupferdrähte nahezu universelle Akzeptanz. Darüber hinaus verfügte verzinnter Draht über eine bessere Lötbarkeit und wies gute Schmiereigenschaften beim Ziehen auf.
Mit der Entwicklung von PVC-basierenden Isolatoren in jüngster Zeit, die nicht mehr mit dem Kupferdraht reagieren, verlor die Verzinnung seine große Bedeutung in der Kabelindustrie. Trotzdem wird verzinnter Draht weiterhin als Premiumprodukt angesehen und für militärische und andere kritische Applikationen verwendet. Und obwohl im Automotive-Bereich inzwischen hauptsächlich blanke Kupferdrähte in den Kabeln verwendet werden, ist verzinnter Draht in sicherheitsrelevanten Bereichen (z. B. in Airbags) nach wie vor im Einsatz.
Die Verzinnung erfolgt dabei auf zwei sehr unterschiedliche Arten. Zum einen besteht die Möglichkeit, den Draht durch flüssiges Zinn laufen zu lassen. Dabei scheidet sich Zinn auf der kalten Oberfläche ab. Dieses Verfahren wird von uns nicht angeboten, da die Abscheidungsparameter schwer zu kontrollieren und es so zu ungleichmäßigen Schichten kommt, die die heutigen Ansprüche unserer Kunden nicht mehr erfüllen. Darüber hinaus ist es teurer und hat einen geringen Durchsatz.
Zum anderen kann die Abscheidung über die klassische Galvanotechnik erfolgen. Dabei wird in einem meist sauren Elektrolyten Zinn anodisch aufgelöst und kathodisch auf dem Material abgeschieden. Ein weiterer Vorteil dieses Vorgehens ist die hohe Reinheit, mit der das Zinn abgeschieden werden kann. Gerade vor dem Hintergrund der RoHS-/WEEE-Bestimmungen haben die Anforderungen an die Qualität der Schichten teilweise erheblich zugenommen.
Verzinnter Draht
Elektrolytisch verzinnte Rund-, Vierkant- und sonstige Profildrähte für alle Bereiche der Elektrotechnik bis hin zu hochautomatisierten Lötprozessen. Als Schutz bei der Verarbeitung von aggressiven Kunststoffen. Auch mit Nickel- oder Kupfersperrschicht.
Abmessungsbereich: 0,130-3,000 mm Ø und Profile
Aufmachung: Spulen oder Ringe
Verzinntes Band
Lötfähig, galvanisch verzinnte Bänder mit spezieller Vorbehandlung zur Stanz-, Biege- und Ziehbearbeitung von elektrotechnischen und elektronischen Bauteilen, Auflagestärke bis 12 µm. Auch mit Nickelsperrschicht.
Bandbreite: bis max. 300 mm
Banddicke: 0.300-3.500 mm
Ringgewicht: bis max. 3.000 kg
RID: 300, 400 oder 500 mm
RAD: bis max. 1.400 mm
Wir verzinnen gemäß Tyco Spezifikation 112-16 und 112-65, Bosch Normen Reihe N67F 863, N67F 864 und N67F 865 oder gemäß der offiziellen Normen ASTM B545, DIN 40500, DIN 10202 und DIN 50965. Weitere Normen oder Spezifikationen bestätigen wir Ihnen gerne auf Anfrage.
Verzinntes Rohr
Galvanisch glänznd oder matt verzinnte Kupferrhohre für die Kältetechnik. Die Zinnschicht setzt das Potenzial zwischen Kupfer und Aluminium deutlich herab und verringert somit die Korrosion an der Kontaktstelle zwischen Rohr und Kühllamellen deutlich. Auflagestärke bis über 10 µm.
Rohrdurchmesser: bis 16 mm
Wandstärke: 0.300-1.200 mm
Aufmachung: zurzeit auf Holzspulen mit 1.100 mm Durchmesser (andere Aufmachungen auf Anfrage möglich)
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